[Berlin] Minimalismus-Treffen am 23.02.2020 // Existentielle Reduktion: Weniger ist mehr!

Existentielle Reduktion: Weniger ist mehr!

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Ein Versuch über die Philosophie der Lebenskunst als existentielle Reduktion bei dem Tonnenphilosophen Diogenes und dem Dachzeltnomaden Thilo

„Von da an habe ich auf Austern und Pilze für das ganze Leben verzichtet, denn es sind nicht Speisen, sondern Leckereien, die den schon Gesättigten zum Essen nötigen und, was freilich den Gefräßigen, die mehr in sich hineinstopfen, als sie fassen können, höchst erwünscht ist, ebenso leicht hinabgleiten, als wieder zurückkommen.“ (Seneca)

„Die günstigste und zugleich ökologischste Flugreise ist noch immer die, die nicht stattfindet. Das gilt für Handys, Flachbildschirme, Häuser, Autobahnen und Agrarsubventionen nicht minder. Pures Weglassen ist überall, unilateral und kurzfristig umsetzbar. Dieser Strategietyp ist derart naheliegend und einfach umzusetzen, dass wir uns vermutlich gerade deshalb so schwer damit tun.“ (Niko Paech)

Es liegen über 2000 Jahre zwischen dem Leben von Seneca und Niko Paech. Beide verbindet, dass sie Überlegungen anstellen, bewusst bestimmte Dinge im Leben reduzieren zu wollen. Sie haben unterschiedliche Gründe hierfür. Sich beispielsweise zu fragen, was wesentlich für das eigene Leben ist oder sich zu fragen, welche Konsumhandlungen eventuell schwerwiegende ökologische Konsequenzen nach sich ziehen und somit nicht zu rechtfertigen sind, kann Einzelne dazu bewegen, ihre Lebensweise entsprechend zu ändern. Bei Seneca ist es das philosophische Streben und die Orientierung an Idealen, die das Verlangen nach bestimmten Dingen wie Luxusgütern unterbindet. Paech ist bereit, auf Dinge und Annehmlichkeiten im Leben zu meiden, um ökologisch zu leben. Das bewusst gestaltete „reduzierte“ Leben ist damit verbunden, dass Einzelne die eigene Haltung und das eigene Verhalten reflektieren und fortan etwas an ihren Gewohnheiten verändern und eine minimalistische Sezession wagen.

In diesem Kontext wird aufgezeigt, dass Reduzierer, wie der Tonnenphilosoph Diogenes oder der Dachzeltnomade Thilo reflektierend Lebensweisen entwickeln, in denen eine besondere Haltung zu den eigenen Bedürfnissen kultiviert wird. Was Philosoph Wilhelm Schmid „Selbstgestaltung“ in seiner Philosophie der Lebenskunst nennt, soll dazu dienen, den Prozess der Umorientierung hin zu neuen reduzierten Lebensweisen von Reduzierern einsehbar zu machen und eben auch über mögliche Gründe zu philosophieren, warum es Menschen gibt, die sich dazu entschließen in Tonnen oder im Auto zu leben und sich somit existentiell reduzieren.

Über den Referenten:

Badenhoop, Martin: Nach seiner Maurerausbildung, Zivildienst und Abitur auf dem zweiten Bildungsweg folgte das Studium der Germanistik, Philosophie und Theologie und vergleichenden Religionswissenschaft an der Universität Rostock und Cork (Irland), was er mit einer längeren philosophischen Arbeit über Minimalismus und existentielle Reduktion abschloss. Er ist als Autor diverser Textformen aktiv und in Berlin als Lehrer und mittlerweile relativ selten als DJ tätig, wo er seit 2016 lebt.

Letzte Veröffentlichungen:

Gedichtband:
Die Vorhaut des Kapitals (Rostock 2012)

Philosophische Abschlussarbeit:
Zur philosophischen Reflexion menschlicher Bedürfnisse (Rostock 2014)

Politisches Manifest:
Manifests der Gewerkschaft zur bedingungslosen Grundliebe. Leitschrift zur Errichtung einer neuen Herrschaft (Wartburg 2016)

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Wir treffen uns ein Mal im Monat im Kiezladen Zusammenhalt e.V., Dunckerstr. 14, 10437 Berlin. Zu jedem Treffen haben wir ein Thema und wenn es sich anbietet, lade ich jemanden ein, der uns einen tieferen Einblick in diesen Bereich geben kann.
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